16.06.2019 - palatia Jazz Youth Day
Historisches Rathaus | 67346 Speyer
21.06.2019 - Younee
Gedächtniskirche | 67346 Speyer
21.06.2019 - Mare Nostrum III
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22.06.2019 - Paolo Frésu & Lars Danielsson
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29.06.2019 - Shalosh
Villa Böhm | 67433 Neustadt a.d. Weinstraße
29.06.2019 - Bill Laurance Trio
Villa Böhm | 67433 Neustadt a.d. Weinstraße
06.07.2019 - KLΞIИ
Villa Ludwigshöhe | 67480 Edenkoben
06.07.2019 - Bill Evans & The Spy Killers
Villa Ludwigshöhe | 67480 Edenkoben
13.07.2019 - Joshua Redman Quartet
Festungsanlage Fronte Beckers | 76726 Germersheim
13.07.2019 - Dock In Absolute
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13.07.2019 - Jarrod Lawson
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20.07.2019 - Theo Croker
Klosterruine Limburg | 67098 Bad Dürkheim
20.07.2019 - Charles Lloyd
Klosterruine Limburg | 67098 Bad Dürkheim
26.07.2019 - Irma
Haus Catoir | 67098 Bad Dürkheim
03.08.2019 - Phronesis
Park der Villa Wieser | 76863 Herxheim-Landau
03.08.2019 - Adam Baldych Quartet
Park der Villa Wieser | 76863 Herxheim-Landau
 
 
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Metropolregion Rhein-Neckar

Gesamtkunstwerk im Garten

01.07.2019

Großartige Kontraste beim Palatia-Jazz-Festival im Park der Villa Böhm: Beim Trio „Shalosh“ münden nordische Fjorde in mediterranen und orientalischen Klängen, der Globetrotter Bill Laurance bietet raffinierte und vertrackte Klänge am lyrisch-romantischen Konzertpiano.

Von Henning Gajek

Musikalisch-optischer Genuss vor der Villa Böhm: Bill-Laurance-Trio.zoom
Musikalisch-optischer Genuss vor der Villa Böhm: Bill-Laurance-Trio.

NEUSTADT. Trotz seiner 23 Jahre ist es immer noch frisch und voller musikalischer Entdeckungen und Überraschungen. Wieder einmal machte das Palatia-Jazz-Festival in Neustadt Station. Als idealer Spielort ist der Park hinter der Villa Böhm geeignet. Das viele Grün und der leichte Wind am Samstagabend wirkten als eine Art äußerst angenehme Klimaanlage.

Gastgeberin Yvonne Moissl kennt die drei Musiker von Shalosh schon als Teenager, als der Name „Shalosh“ noch gar nicht feststand. Damals spielten die Sandkastenfreunde Matan Assayag (Schlagzeug) und Gadi Stern (Piano, Keyboard) in der Formation „Enoma Elish“. Bassist Daniel Benhorin (bis 2016) kam erst später dazu. Die „Drei“ dachten sich, das könnte ihr Bandname werden, denn auf hebräisch heißt das „Shalosh“. Moissl ist in der israelischen Jazzszene bestens vernetzt.

Shalosh: Rau, akustisch,
aber auch elektronischMit kraftvollem Drive, majestätischem Piano und Keyboard startet der Funky Groove im dafür nicht prädestinierten 7/4-Takt. Gadi Stern spielt zu Beginn ein romantisches Piano, entwickelt mediterrane Harmonien, bis hin zur freien Intonierung, wird nur noch von Matan Assayag am Schlagzeug im Rahmen gehalten. Dazwischen funken außerirdische U-Boot-Signale, der Schlagzeuger erhöht den Druck, die Delphine singen und jagen pfeilschnell über das Meer, hinein in nordische Fjorde, wo geheimnisvolle Quellen sprudeln.

Überschreitet musikalische Grenzen: Gadi Stern von „Shalosh“.zoom
Überschreitet musikalische Grenzen: Gadi Stern von „Shalosh“.

Gadi Stern fühlt sich geehrt, dass die Drei nach zwei Jahren wieder bei Palatia-Jazz dabei sein dürfen. Sie seien im Grunde ihres Herzens Kinder geblieben, mit viel Spielfreude und in den Neunzigern aufgewachsen, weswegen ein Lied über Nostalgie zum Programm gehört. Shalosh ist die logische Weiterentwicklung des Esbjörn Svenson Trios. Das Piano verliert sich und wird wieder eingefangen, taucht in nordische Fjorden, verbunden mit mediterraner, orientalischer Harmonik und Rhythmik. Die Musik ist rau, akustisch, aber auch elektronisch und wenn man so will progressive. Sie überschreitet gewisse Grenzen, je nach musikalischem Standpunkt des Zuhörers.

Bei aller Nostalgie, ob „Take on me“ der norwegischen Pop-Band A-ha sich in den Jazz integrieren wird, bezweifeln einige doch. Zum Glück können Shalosh auch rockigen Blues, den sie irgendwo im Ostinato des Klaviers versanden lassen. Die Musik führt uns durch den Wald von Hogwards dem Internat des Harry Potter entgegen: Spannende Klangfolgen, die um immer neue Akkorde aufgetürmt und mit leichtem Gruselfaktor versehen werden. „Leute wollt ihr was singen?“: Mit einer einfachen Melodie, romantisch und gar nicht kitschig, geht es in die Pause.

Laurance: Noch Klassik,schon Jazz? Auf jeden Fall politischDer Brite Billy Laurance ergatterte mit seiner Formation Snarky Puppy einen „Grammy aus dem Nichts“, hat eine lyrische Hand, schreibt Filmmusiken. Moissl findet, „Jazz darf eine Melodie haben“ und sich deshalb entschlossen, Billy Laurance einzuladen, was gar nicht so einfach war, denn der Meister ist permanent an mehreren Projekten zeitgleich im Einsatz.

Ähnlich wie bei „Shalosh“ ist das Piano lyrisch-klassisch inspiriert, aber Laurance entwickelt daraus eine Melodie, die an Mike Oldfields „Tubular Bells“ erinnert. Jonathan Harvey legt am Kontrabass einen Groove-Rhythmus drauf, woraus schnell tanzbarer London-City-Jazz wird. Bill Laurance braucht keine Drum-Computer er hat etwas viel besseres, einen quicklebendigen Schlagzeuger: Marijus Aleksa aus Litauen, der extra für dieses Konzert eingeflogen wurde. Aleksa kann sich jedem Stil anpassen, von filigranen feinen Pinsel-Strichen mit dem Jazzbesen bis zur ausgetüftelten komplexen Taktfolge, wo er gegen packende Dance-Beats anbürstet, also quasi gegen sich selbst kämpft und daraus die Dinge noch atemberaubender gestaltet, als sie ohnehin schon sind.

Akkordzerlegungen mit Bass und treibendem Swing-Schlagzeug. Ist das noch Klassik, ist das schon Jazz? Die Vögel im Park singen inspiriert mit, was dem Meister nicht verborgen bleibt und ihn ungemein freut. Er stellt Stücke von seinen CDs „Flint“ und „Witch“ vor. Sein Song „Cap Ferret“ erinnert ein wenig an Steely Dan. „The Keeper“ ist der programmatische Opener seiner neuen CD „Cables“. „Bleibt auf der Suche, nach dem, was ihr schon immer haben oder machen wolltet!“ Mit diesem Motto hält er sich selbst am Leben. Behutsam bringt Laurance musikalische Loops zum Einsatz, nimmt das Klavier als Grundlage, das mit wenig Soundeffekten angereichert wird.

Seine Musik hat auch eine politische Aussage: „We are the 48 Percent remainers“, also die 48 Prozent, die gerne in der EU verbleiben würde, wofür er spontanen Applaus erntet. Der Song „The 48 Percent“ klingt wie eine Hymne, es mündet in eine Art Volkstanz mit eigentlich osteuropäischer Rhythmik und Lebensfreude. Laurance ist ein musikalischer Globetrotter, die Enge eines verbarrikadierten Nationalstaates ist ihm ein Gräuel. Das Titelstück „Cables“ soll an das exponentielle Wachstum der modernen Technologie erinnern: „Wir sind Menschen, mit guten Absichten, immer und jederzeit verbunden“ und das geht auch mit Triolen im Vierer-Grundtakt, die Laurance kunstvoll aufschichtet.

Selbst so etwas Entspanntes wie eine Ballade kann Laurance im 3/4-Rhythmus vermitteln, die linke Hand spielt „eins-zwei“ und hält die drei, die Melodie begleitet uns im Oktavabstand. Aus der Triole wird der sprudelnden Quell eines Baches, dazu die Villa Böhm in gleißend weißem Marmorweiß, das sich später über rot und magenta nach gelb-grün verfärbt, ein musikalisch-optisches Gesamtkunstwerk.

Zum Schluss hat der Meister noch „etwas Lautes“, das den Titel „The Real One“ trägt. Da legt er wieder los, dass wir nur ungern brav auf den Stühlen sitzen bleiben.

Das Bill Laurance Trio: Der Bassist kam extra aus Paris, der Schlagzeuger aus Litauen, und Laurance musste am Sonntag gleich nach Montreux weiter, um mit Snark Puppy aufzutreten. Diese atemberaubende Jazzrock-Fusion-Bigband möchte Yvonne Moissl nächstes Jahr servieren.

Ausgabe Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau - Nr. 148
Datum Montag, den 1. Juli 2019