07.03.2019
Vielversprechendes bei der 23. Auflage des pfälzischen Jazzfestivals Palatia Jazz
Von Dietrich Wappler
Speyer macht wieder den Anfang, und das Abschlusskonzert findet wie gewohnt im Park der Villa Wieser in Herxheim statt. Insgesamt sieben historische Spielorte finden sich diesmal im Programm von PalatiaJazz. Stars wie Charles Lloyd, Bill Evans und Adam Baldych sind bei der 23. Auflage des Festivals genauso dabei wie viele Newcomer. Die Jazzfreunde in der Pfalz erwartet ein vielversprechender Sommer.
Charles Lloyd ist 80 Jahre alt und eine Jazzlegende. Ende der 1950er Jahre gehörte der amerikanische Tenorsaxophonist noch zur Band von BB King, mixte dann in den 1960ern Avantgardejazz, Rock und indische Folklore zu einer Musik, die ihn zum gefeierten Popstar machte. Zu seinem Quartett gehörten damals Keith Jarrett und Jack DeJohnette. Nach Drogenproblemen und Jahren meditativer Zurückgezogenheit folgte in den 1980ern eine zweite Karriere, Michel Petrucciani war nun der Pianist an seiner Seite, Lloyds Saxophonspiel voller Intensität und Spiritualität. Seither stellt er immer wieder exzellente Ensembles zusammen und veröffentlicht großartige Alben.Lloyd ist 2019 sicher der Programmhöhepunkt bei PalatiaJazz. Zum Open-Air-Konzert auf die Klosterruine Limburg, dem vielleicht schönsten der vielen schönen Spielorte des Festivals, bringt er seine neue Band mit. Der gehören neben der Weltklasse-Rhythmusgruppe mit Reuben Rogers (Kontrabass) und Eric Harland (Schlagzeug) auch zwei Gitarristen an, der 31-jährige Wunderknabe Julian Lage und Marvin Sewell, begehrter Sideman von Cassandra Wilson bis Jack DeJohnette.
Die meisten der sieben Festivalkonzerte sind Doppelkonzerte, auf der Limburg kann man vor Lloyd den amerikanischen Trompeter Theo Croker mit seinem Quartett erleben. Beim Eröffnungsabend in der Speyerer Gedächtniskirche folgt auf die südkoreanische Pianistin Younee das neue Trioprojekt des sardischen Trompeters Paolo Fresu, des französischen Akkordeonspielers Richard Galliano und des schwedischen Pianisten Jan Lundgren. „Mare Nostrum“ nennen sie ihre musikalische Verbindung, weil jeder von ihnen aus einer Küstenstadt am Meer kommt, eine ruhige, poetische verwobene Musik, die perfekt in einen Kirchenraum passt. Weil die Stadt Speyer seit 20 Jahren bei Palatia Jazz dabei ist, finden dort zwei weitere Konzerte statt: Fresu kann man am Folgeabend im Duo mit dem Kontrabassisten Lars Danielsson erleben, und auch der Palatia Jazz Youth Day mit jungen Ensembles aus der Pfalz findet im Vorfeld des Festivals in Speyer statt.
Festivalleiterin Yvonne Moissl war bei der Programmvorstellung gestern in Bad Dürkheim erfreut, die Rückkehr von zwei Festivalstandorten mitteilen zu können. Der Park der Villa Böhm in Neustadt hatte 2018 wegen Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung gestanden. Dort spielen das vielgepriesene israelische Trio Shalosh und der Pianist und Keyboarder Bill Laurance, den man vor allem als Gründungsmitglied des Jazzrock-Kollektivs Snarky Puppy kennt. Auch die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben war wegen Bauarbeiten nicht im Festivalkalender, nun ist der Spielort mit der besten Aussicht auf die Rheinebene wieder dabei. Hier tritt der amerikanische Fusion-Saxophonist und einstige Miles-Davis-Gefährte Bill Evans mit seiner neuen Band The Spy Killers auf, Wolfgang Haffner sitzt hier am Schlagzeug.
In Germersheim wird die alte Festungsanlage
Fronte Beckers zur Festivalbühne. Hier wird der amerikanische
Souljazz-Sänger und Pianist Jarrod Lawson mit seiner Band auftreten, den
ersten Konzertteil bestreitet das Luxemburger Trio Dock in Absolute.
Beim Abschluss in Herxheim stellt der polnische Stargeiger Adam Baldych
sein neues Projekt vor, das Werke von Hildegard von Bingen oder der
Avantgardekomponistin Sofia Gubaidulina eigenen Stücken gegenüberstellt.
Erster Konzertteil ist hier das britisch-skandinavische Trio Phronesis.
Bis auf die Eröffnung in der Gedächtniskirche in Speyer sind alle
Konzerte als Open-Air-Veranstaltungen geplant, es gibt allerdings
Ausweichhallen bei schlechtem Wetter.
Termine und Karten
- 21. Juni, Speyer, Gedächtniskirche: Fresu, Galliano, Lundgren - 22. Juni, Speyer, Adenauer Park: Fresu/Danielsson - 29. Juni, Neustadt, Park der Villa Böhm: Bill Laurance - 6. Juli, Edenkoben, Villa Ludwigshöhe: Bill Evans - 13. Juli, Germersheim, Festungsanlage: Jarrod Lawson - 20. Juli, Bad Dürkheim, Limburg: Charles Loyd - 3. August, Herxheim, Park Villa Wieser: Adam Baldych - Karten ab heute im Netz unter www.palatiajazz.de, Telefon 06326 967777 sowie in den RHEINPFALZ-Geschäftsstellen und weiteren Vorverkaufsstellen.
Quelle
Ausgabe
Die Rheinpfalz - Nr. 56
Datum
Donnerstag, den 7. März 2019
Seite 7