Es bedarf keines Spurensuchers, um die Eindrücke, die Nadav Remez auf den zum Teil schon viel betretenen Pfaden des Rock, der Jüdischen Folklore und des Jazz trotz seiner jungen Jahre bisher hinterlassen hat, zu finden. Man schaue einfach abseits der ausgetretenen Routen, lausche wie der Wind durch die Gräser am Wegesrand flüstert, man schließe die Augen und spitze die Ohren:
Nadav Remez’ Musik ist schnörkellos, der Klang des eher seltenen Sextetts folgt der klaren musikalischen Idee Remez’.
In intelligenten Arrangements vermag sein exzellenter Bläsersatz mal die zarten Melodiebögen seiner Gitarre mithilfe lyrischer Unisono-Flächen in seinen hymnischen Höhen wie eine Wolke zu tragen, um an anderer Stelle gänzlich reduziert dem plastischen Groove des Zusammenspiels zwischen Fender Rhodes und Schlagzeug Platz zu machen und so den Boden zu bereiten für die enorme Aussagekraft seines Gitarrenklangs.
Auf dem Cover seines im letzten Jahr erschienen Albums ‚So Far’ sieht man Nadav Remez auf einer mondbeschienenen Lichtung Gitarre spielen, scheinbar in Gedanken versunken und doch bestimmt. Bei näherem Betrachten erkennt man, dass Remez im Begriff ist eine Mauer, die man nur schwer im Dunkel des Bildrandes ausmachen kann und die vor ihm in den Himmel ragt, mit seiner Musik zu sprengen. Es ist ein friedlicher Moment, der nichts von seiner zweifelsohne immanenten politischen Symbolik vergessen machen möchte und gleichzeitig verkörpert mit welch hoher Suggestivkraft und poetischem Weitblick Remez eine Musik-Welt erschafft, die ganz Traum und Sehnsucht und Mond beschiene Lichtung sein kann. Die Welt der Mauern hält für einen Moment den Atem an und lauscht.


