Ursprung und Avantgarde
David Murray & The Gwo Ka Masters bei Palatia Jazz auf der Ludwigshöhe
DIE RHEINPFALZ, den 26. Juli 2010 David Murray
Mit afrikanischen Musikern geht Murray immer wieder gerne Allianzen ein. Mächtig Rhythmus im Blut haben aber auch Trommler aus Guadeloupe. Eben von dort stammen zwei der „Gwo Ka Masters", mit denen der Tenorsaxophonist David Murray am Freitag, 30. Juni, bei Palatia Jazz auf Schloss Villa Ludwigshöhe auftreten wird. Mit siebenköpfiger Besetzung kommt Murray, um seine Vision schwarzer Musik auszuleben. Über 220 Alben hat der Tenorist unter eigenem Namen bislang eingespielt. Kaum ein anderer Musiker kann auf eine ähnlich rege und weitgestreute, künstlerisch hochkarätige Aktivität verweisen. Unzählig sind die Projekte und Bands des in Paris lebenden Afroamerikaners. Sein hochenergetisches Spiel bringt er in seinen Soul-, Funk- und afrikanischen Projekten ebenso charakteristisch ein wie in seinen Jazzformationen: seinem Quartett, Trio, Oktett, seiner Bigband oder im World Saxophone Quartet. Die schwarzafrikanischen Wurzeln sind eine starke Kraft in David Murrays Spiel. Ethnische Ursprünglichkeit ist eine Basis, die Murray gerne dazu nutzt, sein freies, eruptives Powerplay drüberfliegen zu lassen. Eine energiegeladene Spannkraft entsteht daraus, wenn das Rituelle von den freien Zeichen der Avantgarde überformt wird. David Murray aber versteht es intuitiv, daraus eine Einheit herzustellen, seine freien Jazzeruptionen mit dem Geist des Ursprünglichen zusammenschwingen zu lassen. Die Wurzeln schwarzer Musik wurden David Murray in die Wiege gelegt. Seine Mutter war eine angesehene Gospel-Pianistin. Mit acht Jahren begann er, Altsaxophon zu spielen und in der Familienband der Murrays begleitete er Gottesdienste. Mit zwölf Jahren spielte er in einer Rhythm & Blues-Band, mit fünfzehn leitete er ein Trio. 1975 übersiedelte er nach New York, wo er u.a. mit Cecil Taylor und Anthony Braxton spielte. 1976 nahm er sein längst legendäres Debütalbum 'Flowers for Albert' auf, eine Huldigung an Albert Ayler und dessen energiereiche Klangströme. Im selben Jahr gründete er das World Saxophone Quartet. International tourte er zunächst mit Sunny Murray und mit Johnny Dyani sowie James Blood Ulmer. 1991 wurde David Murray mit dem hochdotierten dänischen Jazzpar-Preis ausgezeichnet. In seiner Musik verschmilzt all das, was die schwarze Musik an Eigenständigem hervorgebracht hat: Gospel, Free Jazz, Afro-Karibisches, archaischer Blues, Soul und Funk. David Murray beherrscht die Spieltechniken der Jazzavantgarde und integriert in sein eigenwilliges, sehr charakteristisches Saxophon- und Bassklarinettenspiel Elemente und Techniken aus allen Stilrichtungen des Jazz. Eine besondere Duftmarke hat er dabei in der Verwendung von Obertönen gesetzt: überblasene Töne, wie sie auch Albert Ayler verwendete und eine unbändige Expression transportieren. Mit David Murray am Tenorsaxophon und Bassklarinette sind mit dabei: Rasul Siddik (Trompete), Mingues Murray (E-Gitarre), Jaribu Shahid (E-Bass), Renzel Merrit (drums), sowie die beiden Trommler und Sänger aus Guadeloupe (Klod Kiavue und Francois Ladrezeau). Die Gwo Ka Masters stehen ein für die Verbindung westafrikanischer Rhythmen mit kreolischer Tradition: ein Blick auch auf die Vergangenheit der kleinen Antillen, in Erinnerung an Sklaverei, Unterdrückung und dem Streben nach Freiheit und einer eigenständigen Identität. Solche Ursprünglichkeit ist verbunden mit der Moderne von Funk und Soulgrooves, wie sie in ihrer Energiegeladenheit so typisch ist für Murrays Background und seiner steten Bestrebung: „I will Mutter Afrika erreichen!". (öhl) Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.170 Datum: Montag, den 26. Juli 2010 Seite: Nr.18 |
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